Müller, Herbert

Herbert Müller, auch Schalenmüller genannt, (* 28. Februar 1920in Halle an der Saale; † 7. Juli 1995 ebenda) war ein deutscher Bauingenieur und Architekt, der durch seine Bauten mit hyperbolisch-paraboloiden Betonfertigteilschalen bekannt wurde. Er selbst nannte sie „HP-Schalen“. Müller hatte einen großen Anteil am Aufbau des Stadtviertels Halle-Neustadt, in dem auf Initiative des damaligen SED-Bezirksleiters Horst Sindermann die neuesten Baukonstruktionen in der DDR zur Anwendung kamen.

Herbert Müller wuchs als Sohn eines wohlhabenden Müllers in Döllnitz in der Elster-Saale-Aue auf. Als Jugendlicher begeisterte er sich für das Segelfliegen und wurde daraufhin im Zweiten Weltkrieg als Stuka-Pilot ausgebildet und eingesetzt. Nach Kriegsende studierte Müller Bauingenieurswesen und Architektur. Danach wurde er technischer Leiter des Wohnungsbaukombinats (WBK) Halle.

1954 meldete Müller seine Entwicklung „Stahlbetonfertigteil als Bogenelement“ als eine doppelt gekrümmte Hyperboloidfläche zum Patent an. Konkurrenz bekam Müller aus West-Deutschland, dort meldete 1956 der Essener Bauingenieur Wilhelm Silberkuhl sein Patent zur „Dachkonstruktion aus gekrümmten Schalen, insbesondere aus doppeltgekrümmten Stahlbetonschalen“ an. Es wurde unter dem Namen „Silberkuhl‐Schale“ oder „System Silberkuhl“ fachintern ein Begriff. Bei beiden Schalentypen wurde der Spannstahl in einem Spannbett vorgespannt. 1961 erfolgte ein Patentstreit, bei dem Müller gegen eine Abfindung von 10.000 West-Mark auf sein bundesdeutsches Patent verzichtete. Erst danach gab die Bauakademie der DDR ihren Widerstand gegenüber Müllers Innovationen auf und sein 1954 angemeldetes Patent wurde am 7. April 1961 ausgegeben. Da man jedoch in der DDR technologisch nicht in der Lage war, diese Schalen herzustellen, wurde im August 1961 eine Gruppe von Spezialisten in den Westen geschickt, um sich die Produktion anzusehen, darunter auch Müller.

Der Vorteil von diesen Schalenbau-Elementen lag in der „erhöhten Knick- und Biegesteifigkeit“,was auch eine sehr erwünschte Materialersparnis zur Folge hatte. Neben der Materialreduktion waren das geringe Eigengewicht und eine hohe Belastbarkeit von Nutzen. Die Fertigteile ließen sich selbst bei großen Spannweiten noch wirtschaftlich herstellen und auf der Baustelle mit ein bis zwei einfachen Derrickkränen unkompliziert aufstellen.

„Gerade die HP-Schalen schienen mir nun eine Art Leichtigkeit des Seins auszustrahlen, sie waren wie ein Kontrapunkt zur Starre und Geradlinigkeit der Wohnblocks.“

Müller präsentierte 1964 sein erstes Schalenbauwerk als einen Wartepavillon, den sogenannten Schmetterling, auf dem Marktplatz von Halle (Saale). Seine Erfindung prägte die unterschiedlichsten Bauten der „Ost-Moderne“ wie Sporthallen, Kaufhallen, Kindergärten, Funktionsgebäude, Betriebsstätten, Brücken, so dass er vom Volksmund bald „Schalenmüller“ genannt wurde. Am bekanntesten wurden das Panoramamuseum Bad Frankenhausen für das Bauernkriegspanorama, das Raumflug-Planetarium „Sigmund Jähn“ in Halle (Saale) sowie die Delta-Kindergärten, Rundbauten mit einem strahlenförmig (radial) angeordneten Wellendach.

1968 wurde Herbert Müller mit dem Nationalpreis III. Klasse für Wissenschaft und Technik ausgezeichnet für seinen Anteil an den beispielgebenden Leistungen bei der Entwicklung und Produktion von industriell vorgefertigten hyperbolischen Betonfertigteilschalen. Außerdem erhielt er die staatliche Auszeichnung Verdienter Erfinder.

Das Raumflug-Planetarium Sigmund Jähn dagegen wurde ein Opfer des mangelnden Interesses von Stadtrat und Behörden und daher Ende 2017 abgerissen.

Grab von Herbert Müller, Friedhof Kröllwitz, Halle

Herbert Müller starb im Juli 1995, die Trauerfeier fand auf dem Gertraudenfriedhof statt.

Quelle; Text und Foto: DeWiki