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Judendorf

Im Schutze der im Jahre 806 gegründeten Burg Giebichenstein bildeten sich drei Ansiedlungen, deren Bewohner vom Sieden und Salzhandel lebten. Vermutlich hielten sich bereits um 1000 einige wenige Juden in Halle auf, das damals unter erzbischöflicher Herrschaft stand. Gesicherte Quellen über die Juden existieren erst ab 1184. Das Judendorf ist dann auch auf dem Gelände der Moritzburg  nachgewiesen worden. Der Friedhof befand sich wohl auf dem Gelände des Jägerberges. Wahrscheinlich gab es dort auch eine Synagoge.

Zu Beginn des 13. Jahrhunderts soll das „Judendorf“ von Christen in Brand gesteckt und seine Bewohner vertrieben worden sein. Unter erzbischöflichem Schutz kehrten die Juden bald wieder nach Halle zurück, die aber nun zu erheblichen Geldzahlungen herangezogen wurden. Als der Rat der Stadt versuchte, „seine“ Juden mit zusätzlichen Steuern zu belasten, begaben sie sich in den Schutz des Klosters Neuwerk; sie standen damit ganz unter der Schutzherrschaft des Erzbischofs von Magdeburg, der diese – je nach seiner wirtschaftlichen Lage – ausbeutete und sie gegenüber der Stadt in Schutz nahm.

Die Pestjahre von 1348/1349 forderten unter den Juden in Halle zahlreiche Opfer. Nach der Vertreibung der Juden ging das „Judendorf“ in den Besitz der Stadt über; schon wenige Jahre später kehrten sie hierher zurück. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts gerieten die Juden unter den Verdacht der Brunnenvergiftung; dies hatte zur Folge, dass der Pöbel die Judenhäuser stürmte, diese zerstörte und viele Bewohner umbrachte. Erneut schritt der Magdeburger Erzbischof ein, der den Rat der Stadt Halle mit einem Sühnegeld für die Vertreibung „seiner“ Juden belegte und ihre erneute Ansiedlung durchsetzte; allerdings mussten auch hier die Juden hohen Geldbeträge an die Stadt zahlen, um die Genehmigung zum Aufbau neuer Häuser zu erhalten. Im Spätmittelalter bestand in Halle – nach Erfurt – die größte jüdische Gemeinde Mitteldeutschlands; sie muss recht wohlhabend gewesen sein.

Ab dem 15. Jahrhundert entrichteten die Juden Halles nun auch an die deutschen Kaiser Tribute, so z.B. an Kaiser Sigismund eine Summe von 800 Gulden anlässlich seiner Krönung. Als der Hallesche Stadtrat auf Betreiben des Theologen Nikolaus von Kues die hier lebenden Juden zwang, ihre Geldgeschäfte aufzugeben und besondere Abzeichen zu tragen, waren sie ihrer Lebensgrundlage beraubt und kehrten der Stadt den Rücken. Doch Proteste des Magdeburger Erzbischofs, der sich seiner Einnahmen beraubt sah, führten zu deren Rückkehr. Bereits sein Nachfolger, der Erzbischof Ernst von Magdeburg, änderte die Judenpolitik und setzte 1493 durch, dass alle Juden aus seinem Machtbereich, also auch aus Halle, gewaltsam vertrieben wurden. Seitdem haben jahrhundertelang keine Juden mehr in der Stadt Halle gelebt.

Ende des 17. Jahrhunderts lebten in Halle zwölf „Schutzjuden“ mit ihren Familien, das waren das mindestens 70 Personen. 1704 verlieh der preußische König den Hallenser Juden ein Generalprivileg, das ihnen gestattete, ihre Gemeinde unter eigene Organisation zu nehmen und eigene Gerichtsbarkeit auszuüben.

(Quelle: Jüdische Gemeinde – Halle/Saale (Sachsen-Anhalt)

Grafik www.umap.de,
Sophie Wohlleben, Die wirtschaftliche und soziale Situation der Juden in der Salzstadt Halle und die daraus resultierenden antisemitischen Übergriffe. (Facharbeit Geschichte)
(Bearbeitung: M. Waldow, MSW-Welten)

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Halle (Saale) - Lexikon

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