Die Zeit der Кipper und Wipper umfasste einige Jahre zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges. Sie war durch erhebliche Geldentwertung gekennzeichnet. Ihren Höhepunkt erreichte sie mit der Hyperinflation zwischen 1620 und 1623. Der Doppelbegriff leitet sich vom „Wippen“ der Waagschale und dem „Кippen“, dem Aussortieren der schwereren, besseren Münzen, ab. Ziel des Kippens und Wippens war eine Reduzierung des Edelmetallanteils der Münzen. Dessen Ursachen lagen im Rückgang der Silberproduktion, im höheren Geldbedarf durch die Luxusbedürfnisse der deutschen Fürstenhöfe und im sprunghaften Anstieg der Rüstungsausgaben. Auch wurden kleinere Münzen nur selten geprägt, da ihr Silbergehalt höher war als der Nennwert, was einen dauernden Mangel an Kleingeld mit sich brachte.
Die Inflation verstärkte sich dadurch, dass die Bürger in den ersten Monaten das wertvolle Geld gegen die doppelte Menge an minderwertigem Geld tauschten, um aus diesem Geschäft Profit zu schlagen. Hieraus resultierten Not, Verarmung und Hunger. Die Hauptbetroffenen waren die Bezieher von Festeinkommen, unter anderem Pfarrer. Mit der Geldentwertung einerseits und dem Anstieg der wirtschaftlichen Produktion andererseits stiegen die Preise dramatisch an. Durch das Eingreifen der Obrigkeit, deren Staatseinnahmen mittlerweile aus minderwertigen Münzen bestanden, verschwand allmählich das Kupfer. Zudem wurden die Landesgrenzen durch das Militär kontrolliert. Es gab Verbote aller Art, die Beschränkung von Zahlungen in kleiner Münze und eine zunehmende Abwertung der Kippermünzen. Nur Stücke mit Kontrollstempel sollten noch zirkulieren. Der Münzverlust ging zulasten der staatlichen Kassen.
Einseitiger Kipper – Kupferpfennig der Stadt Halle aus dem Jahr 1621, Dm. 12 mm (Privatsammlung, Foto U. Dräger)