Heiliges Römisches Reich

In den Jahrzehnten nach dem Tod Karls des Großen (768–814) zerfiel das karolingische Reich, das sich von der französischen Atlantikküste im Westen bis zum heutigen Tschechien im Osten erstreckte, in zwei Herrschaftsbereiche: das Frankenreich im Westen und ein ostfränkisches Reich. Das kurzzeitig existierende »Mittelreich« wurde zunächst geteilt und dann dem Osten zugeschlagen. Mit dem Aufstieg der aus Sachsen stammenden Ottonen sowie der frühen Salier und Staufer ging aus dem ostfränkischen Reich dann jenes Herrschaftsgebilde zwischen Nordsee und Norditalien hervor, das seit dem 12. Jahrhundert als Heiliges Römisches Reich bezeichnet und am Ende des 15. Jahrhunderts mit dem Zusatz »Deutscher Nation« versehen wurde.

Seit der Zeit Karls des Großen verstand man im Westen das römische Westreich (und nicht mehr das oströmische Reich mit seiner Hauptstadt Byzanz) als Fortsetzung des antiken römischen Reiches. Durch den Papst selbst, hieß es später, sei die Kaiserherrschaft an den Franken Karl den Großen übertragen worden (»translatio imperii«).  Das Römische Reich galt in heilsgeschichtlicher Perspektive als das vierte und letzte Weltreich. Es durfte also kein weiteres – außer dem Reich Gottes – folgen. Das Heilige Römische Reich existierte bis 1806, als der Habsburger Franz II. nach der Niederlage der deutschen Lande gegen Napoleon, die Kaiserkrone niederlegte. Zu keinem Zeitpunkt trug es nationalstaatliche Züge, bis zum Ende war es ein Herrschaftsverband, der zahlreiche kleinere und kleinste Herrschaftsbereiche umfasste.

(Quelle: https://www.zeit.de/zeit-geschichte/2010/01/Glossar/seite-2)