Haus „Marktwirtschaft“

Das sogenannte Haus Marktwirtschaft befand sich in der Brüderstraße, einer historisch geprägten innerstädtischen Straße.  Erbaut wurde das Fachwerkhaus im niedersächsischen Stil in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts, unter Einbeziehung älterer Kelleranlagen.

Im Mittelalter hieß die Brüderstraße Prüfel- oder Prüvelstraße. Im 13. Jahrhundert stand in der Straße schon die St.-Pauli-Kapelle. Hier hatte das alte Geschlecht der von Pruve ihren Hof. Um 1400 gab es hier eine stärkere Besiedlung, sodass der Durchbruch zur Großen Steinstraße nötig war und die Neunhäusergasse entstand.

Das Gebäude war ein mehrstöckiges Haus mit markanter Ecklage. Sein äußeres Erscheinungsbild wies – je nach Zustand oder Darstellung – Spuren verschiedener Epochen auf. Besonders auffällig war der Kontrast zwischen historischen Bauelementen (z. B. Fachwerkstruktur) und späteren Veränderungen oder Sanierungsmaßnahmen.

Ab 1623 diente das Haus eventuell als Administrationsstube im Dienste des Administrators (und Stadtherrn) Christian Wilhelm von Brandenburg. Sein Wappen zierte den Eingang. Das Haus wurde im September 2025 teilabgerissen.

Diese Mischung aus Alt und Neu macht das Haus zu einem anschaulichen Objekt für wirtschafts- und sozialgeschichtliche Betrachtungen.

Die Brüderstraße zählt traditionell zu jenen Straßen, in denen Handel, Handwerk und städtisches Wirtschaftsleben eine wichtige Rolle spielten. Häuser in solchen Lagen wurden häufig für:

  • Gewerbe im Erdgeschoss (Läden, Werkstätten),
  • Wohnen in den oberen Stockwerkerk

Die Bezeichnung „Haus Marktwirtschaft“ ist nicht nur räumlich, sondern vor allem symbolisch zu verstehen.

Im Laufe der Zeit spiegelte das Haus – wie viele innerstädtische Gebäude – wirtschaftliche Veränderungen wider:

  • Zeiten des Wohlstands und Ausbaus,
  • Phasen des Verfalls oder der Vernachlässigung,
  • Sanierung und Umnutzung im Zuge städtischer Entwicklung.

Das Haus Marktwirtschaft in der Brüderstraße steht sinnbildlich für die Entwicklung marktwirtschaftlicher Strukturen im urbanen Raum. Es verbindet Architektur, Geschichte und Wirtschaftsordnung und zeigt, wie wirtschaftliche Systeme das alltägliche Leben, das Stadtbild und soziale Beziehungen prägen. Als Symbol macht es deutlich, dass Marktwirtschaft nicht abstrakt ist, sondern sich konkret in Gebäuden, Straßen und Lebensformen zeigt.

Im 19. Jahrhundert kam es in den Besitz verschiedener Brauereien und wurde als Gasthaus „Zum Markgrafen“, später „Marktwirtschaft“genutzt. Das gab dem Haus den Namen.

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(Rekonstruktion mittels KI nach Foto im baulichen Zustand)

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